Blechteile: Make or Buy? Wann lohnt sich eine eigene Fertigung?
2 Bedingungen für eine rentable Eigenfertigung | Rechenbeispiele China-Laser vs. Profi-Laser | Checkliste zur Entscheidung.
Dipl.-Ing. (FH), MBA Tom Krause
Wann lohnt sich eine eigene Blechfertigung?
Ziel einer eigenen Fertigung:
- Gleiche oder niedrigere Teilepreise als beim Zukauf
- Schnellere Lieferzeiten
- Ggf. bessere Qualität
- Geheimhaltung - keine Zeichnungen verlassen den Betrieb
Liegt der Fokus auf Lieferzeit, Qualität oder Geheimhaltung der Zeichnungen, darf der Teilepreis auch höher ausfallen.
Damit sich eine eigene Blechfertigung rechnet, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:
Bedingung 1: Wettbewerbsfähiger Stundensatz bzw. Schneidkosten
Der kombinierte Stundensatz aus Maschine und Bediener sollte zusammen mit dem erreichten Durchsatz (abhängig von der Laserleistung und Automation) marktfähige Preise erreichen. Das heißt bei einer regulären Laserschneidmaschine (max. 6 kw Laserleistung und ohne Automation) ist 200 €/h (für Maschine + Bediener) ein guter Richtwert für einen marktfähigen Stundensatz beim Laserschneiden (vgl. auch Schneidforum).
Diesen Stundensatz erreichen Sie nur mit ausreichender Auslastung. Wie hoch diese sein muss, hängt vom Anschaffungspreis und Teilespektrum ab.
Rechenbeispiel: China-Laser (~150.000 €)
Als grober Richtwert werden hier mindestens 10 Stunden reine Laserzeit pro Woche (500 h/Jahr) empfohlen, um auf einen marktfähigen Stundensatz zu kommen.
Berechnet an diesem Beispielbauteil: Kreis Ø200 mm, 5× Ø10 mm Bohrungen. Bei einem voll belegten Großformat (3000*1500 mm) ergibt sich daraus folgender Materialdurchsatz, um auf 10 Stunden Laserzeit zu kommen:
| Blechdicke | Materialdurchsatz / Woche für 10 h Laserzeit |
|---|---|
| 2 mm Stahl | ca. 2 t (entspricht 30 Großformate) |
| 5 mm Stahl | ca. 2,5 t (entspricht 14 Großformate) |
| 10 mm Stahl | ca. 3 t (entspricht 8 Großformate) |
Fazit: Ab ca. 2,5 t/Woche bzw. 125 t/Jahr lohnt es sich, eine eigene Fertigung genauer zu prüfen.
China-Laser sind bei geringeren Bedarfen attraktiv, erfordern aber mehr Einstell- und Einfahrarbeiten. Die Schnittparameter müssen für die Praxis erprobt und angepasst werden.
Rechenbeispiel: Profi-Laser (~400.000 € von Trumpf oder Bystronic)
Hier werden mindestens 20 Stunden reine Laserzeit pro Woche (1.000 h/Jahr) empfohlen. Mit dem gleichen Beispielteil (Kreis Ø200 mm, 5× Ø10 mm Bohrungen) ergibt sich dieser Materialdurchsatz:
| Blechdicke | Materialdurchsatz / Woche für 20 h Laserzeit |
|---|---|
| 2 mm Stahl | ca. 5 t (entspricht 76 Großformate) |
| 5 mm Stahl | ca. 6 t (entspricht 35 Großformate) |
| 10 mm Stahl | ca. 7 t (entspricht 20 Großformate) |
Fazit: Ab ca. 5 t/Woche bzw. 250 t/Jahr lohnt sich die genauere Prüfung.
Bedingung 2: Marktfähige Materialeinkaufspreise
Auslastung allein reicht nicht. Ohne marktfähige Einkaufspreise beim Material stimmt der Teilepreis nicht. Grobe Richtwerte:
| Werkstoff | Ziel-Einkaufspreis (Stand: März 2026) |
|---|---|
| S235JR (Baustahl) | < 1,5 €/kg |
| 1.4301 (Edelstahl) | < 4,5 €/kg |
| AlMg3 (Aluminium) | < 6,5 €/kg |
Entscheidend ist nicht nur die Gesamtmenge, sondern die Verteilung über Materialsorten und Blechdicken. Wer viele verschiedene Materialien und Dicken verarbeitet, hat je Position zu geringe Abnahmemengen für gute Preise.
Ideal ist eine begrenzte Auswahl. Zum Beispiel bei eigenen Produkten, die gezielt auf wenige Materialsorten entwickelt werden. So bündeln Sie Einkaufsvolumen und erzielen bessere Konditionen.
Checkliste: Make or Buy Entscheidung
Gehen Sie die folgenden Schritte der Reihe nach durch. Wenn ein Schritt nicht erfüllt ist, erübrigt sich der nächste.
| Schritt | Prüfung | ✓? | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
Auslastung: Erreichen Sie die nötige Laserzeit bzw. den daraus resultierenden Materialdurchsatz?
|
□ | ||||||||
| 2 |
Materialpreise: Erreichen Sie marktfähige Einkaufspreise?
|
□ | ||||||||
| 3 | Kostenvergleich: Eigene Herstellkosten (Material + Laser + Personal) vs. aktuelle Einkaufspreise beim Lohnfertiger. Nutzen Sie dafür unsere kostenlose Excel-Vorlage zur Blechteile-Kalkulation und den Maschinenstundensatz-Rechner. | □ |
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Bei AUTOMATE-ME setzen wir täglich Blechteile-Kalkulatoren für Laserschneidbetriebe auf. Dabei beschäftigen wir uns intensiv mit Maschinenstundensätzen, Materialpreisen und der Wirtschaftlichkeit von Schneidanlagen. Die Richtwerte in diesem Beitrag stammen aus dieser praktischen Erfahrung.
Weiterführende Links
Interne Links:
Maschinenstundensatz berechnen: Maschinenstundensatz-Rechner
Blechteile kalkulieren: Excel-Kalkulation für Blechteile (kostenloser Download)
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Externe Links:
Maschinenstundensätze beim Laserschneiden: Schneidforum
Materialeinkaufspreise prüfen: Klöckner Online-Shop
Teilepreise vergleichen: Mayer Laserschneiden Kalkulator
Teilepreise vergleichen: Blechteileshop der 3P-Factory
Teilepreise vergleichen: Lukas Metall Kalkulator
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